Jan Eggers exklusiv - Talk mit Jan
Geschrieben von FISCH & FANG - Interview mit Jan Eggers/Heft 2/2003/S.53

Jan Eggers exklusiv - Talk mit Jan

Jahrzehntelange Angelpraxis, enormes Fachwissen und spektakuläre Fänge haben den Holländer Jan Eggers zu einer lebenden Legende unter Europas Petrijüngern gemacht. In der neuen FISCH & FANG-Serie haken wir beim "Hechtpapst" nach. Thema diesmal: Alles, was Recht ist!

FISCH & FANG: Jan, Holland qualifizierte sich nicht für die Fußball-WM, während Deutschland sogar das Finale erreichte. Konntest Du wenigestens anglerisch in der vergangenen Saison die Ehre der Niederländer retten, indem Du deine Meterhecht-Statistik weiter ausbauen konntest?

Jan Eggers: Bei uns darf vom 1. Juni bis zum 1. März auf Hechte geangelt werden. In der abgelaufenen Saison 2001/2002 fing ich vier Meterhechte mit 100, 101, 102 und 106 Zentimeter. Rechnet man ausländische Gewässer hinzu, verbessert sich die Statistik noch: Mitte September 2002 fing ich zwei schöne Meterhechte im irischen Lough Corrib, der eine maß 110, der andere 112 Zentimeter.

FISCH & FANG: In Deutschland wurde die rot-grüne Regierung bei den Bundestagswahlen bestätigt, während in Holland eine Mitte-Rechts-Regierung die Macht errang. Wie wirkt sich der Machtwechsel auf die Angelgesetzgebung in den Niederlanden aus?

Jan Eggers: Die neue Regierung hat gerade Gespräche mit unserem Landesverband NVVS, der Hechtstudiengruppe, der Karpfenstudiengruppe und mit den Vertretern der Fliegenfischer begonnen. Die Meinung aller Beteiligten ist sehr positiv, der Dialog läuft besser als unter der alten Regierung. Mit neuen Gesetzen rechnen wir nicht.

FISCH & FANG: Ist das Fischen überhaupt ein Thema für Eure Politiker?

Jan Eggers: Das Angeln selbst ist nicht so sehr ein Thema, wohl aber die wirtschaftliche Nutzung der Fische. Um das zu verstehen, muß man die Hintergründe kennen. Vor drei Jahzehnten wurden die holländischen Gewässer hinsichtlich ihrer fischereilichen Nutzung kategorisiert: Aale für die Berufsfischer und Schuppenfische für die Sportangler. Heute jammern die Berufsfischer, weil sie immer weniger Aale in den Reusen haben. Deshalb versuchten sie kürzlich durchzusetzen, auch Schuppenfische wie Zander, Hechte und Karpfen fangen zu dürfen. Die damals zuständige Staatssekretärin Geke Faber war geneigt dies zu erlauben. Die Folge war ein regelrechtes Bombardement von Faxen, Briefen und E-Mails an die Regierung in Den Haag von Seiten der aufgebrachten Sportangler - und wir hatten Erfolg! Zwar muß man abwarten, ob unser Sieg von Dauer sein wird, aber eines ist sicher: Die 1,5 Millionen Angler haben den Politikern klar gezeigt, daß sie für ihre Rechte kämpfen!

FISCH & FANG: Was hältst Du vom deutschen System der Fischereiausbildung mit Prüfung, worin liegen die Unterschiede?

Jan Eggers: Es ist gut, wenn man lernt, richtig zu angeln. In Holland übernehmen mehr als 1.000 Angelsportvereine, unterstützt vom Verband und den Spezialorganisationen, die Ausbildung. Kinder bis 15 Jahre dürfen ohne staatliche Angelkarte, die so genannte Sportvisakte und Schein u.a. auf Weißfische, Karpfen, Barsche mit Ködern wie Made, Brot, Wurm und Boilie fischen. Wollen sie mit Kunstködern oder toten Köderfischen - der lebende ist ja mittlerweile verboten - angeln, müssen sie die Sportvisakte und den am jeweiligen Gewässer gültigen Schein besitzen.

FISCH & FANG: In Skandinavien etwa gibt es keine staatlich vorgeschriebene Fischereiausbildung und auch kein Mindestalter für die Ausübung des Hobbies. Sind die Deutschen da anders, muß wirklich alles geregelt werden oder läßt man den Nachwuchs nicht besser ganz ohne Vorschriften in die Anglerstiefel wachsen?

Jan Eggers: In den meisten Ländern dürfen die Jungangler ohne gesetzliche Auflagen angeln und so soll es meiner Meinung nach auch sein - Ausbildung ja, aber auf freiwilliger Basis wie in Skandinavien, Amerika, Kanada. Auch bei uns in Holland trägt dieses unbürokratische System Früchte: 1994 gab es in Holland noch 320.000 Jungangler unter 15 Jahren, bis 2002 waren es beachtliche 485.000!

FISCH & FANG: Welches Land in Europa hat Deiner Meinung nach die schlechteste Gesetzgebung für Angler?

Jan Eggers: Deutschland, leider! Ich habe in fast allen Ländern geangelt und weiß, was los ist...

FISCH & FANG: Warum?

Jan Eggers: Weil es kein anderes Land gibt, das de facto vorschreibt, jeden maßigen Fisch nach dem Fang zu töten. Ein absoluter Wahnsinn! So kann man nie ein Gewässer vernünftig bewirtschaften. Ein 50-Zentimer-Zander schmeckt noch gut, aber wie soll man einen 60-Pfund-Karpfen oder 100-Pfund-Wels sinnvoll verwerten? Nicht nur wir Holländer verstehen die deutsche Gesetzgebung hier überhaupt nicht. Verwerten macht genauso wie das Zurücksetzen Sinn. Aber nur der Kompromiß zwischen beiden Praktiken ist die Lösung - wir nennen es selektives Ernten, die Einzelfallentscheidung, die abhängig vom Gewässer und vom Fischbestand getroffen werden sollte.

FISCH & FANG: Woran liegt denn das deutsche Angler-Elend, an einer schwachen Interessenvertretung?

Jan Eggers: Ich glaube, bei den Deutschen gibt es nur Schwarz oder Weiß, einen gesunden Mittelweg sehe ich bei der Sportfischerei nicht. Seit 30 Jahren lese ich fast alle deutschen Anglermagazine und wundere mich, wie wenig die Verbände mit der Basis zusammenarbeiten. Wenn schon, dann würde ich mich lieber dem DAV statt dem VDSF anschließen. Ich glaube, daß einige Verbandsobere nicht verstehen, was ihre Mitglieder, die normalen Angler, eigentlich wollen. In Holland kämpfen die Funktionäre wirkungsvoll und geschlossen für unsere Interessen. Deshalb können wir uns viel besser gegen die Anti-Sportfischer-Organisationen wehren, die auch bei uns aktiv sind.

FISCH & FANG: Wer vertritt die Interessen der holländischen Angler?

Jan Eggers: Der NVVS, allerdings gibt es seit Ende 2002 eine neue Struktur. Seitdem können nicht nur Angelsportföderationen NVVS-Mitglied werden, sondern auch Spezialorganisationen wie die Hechtstudiengruppe. Der Zweck soll eine fest geschlossene Anglerfront sein, die mit einer starken Stimme spricht.

FISCH & FANG: Wie effektiv ist diese Lobby?

Jan Eggers: Diese Lobby wird immer effektiver, auch weil sie in engem Dialog mit den Journalisten der Angelpresse steht. Wir haben gelernt, daß wir nur gemeinsam stark sind.

FISCH & FANG: Das Ansehen des Angelns in der breiten Öffentlichkeit und damit auch die Macht einer Lobby, hängt nicht zuletzt vom Image ab. Wie kann das verbessert werden, können wir hier etwas von den Holländern lernen?

Jan Eggers: Man muß die positiven Seiten unseres Hobbies in der Öffentlichkeit hervorheben: Angeln ist eine aktive und gesunde Beschäftigung, die Spaß macht - gerade für Jugendliche. Zu einem positiven Image gehört ebenso, daß der gefangene Fisch mit Respekt behandelt wird!

FISCH & FANG: Viele Hobbies werden auch durch prominente Gesichter populärer. Welche Sportler, Sänger oder Schauspieler aus den Niederlanden bekennen sich zum Fischen?

Jan Eggers: Wir haben viele Promis, die angeln. Dazu zählen u.a. Fußballer wie Ruud Gullit, Richard Witsche und Paul Bosvelt oder die Sänger Andre Hazes und Lee Towers.

FISCH & FANG: Hast Du schon mal das Vergnügen gehabt, mit einem der Promis fischen zu gehen?

Jan Eggers: Ja, ich habe oft mit den Fernsehmoderatoren Wim Bosboom und Pieter Storms auf Hecht geangelt, um nur zwei Namen zu nennen.

FISCH & FANG: Mit welchem Resultat?

Jan Eggers: Pieter Storms habe ich nach 16 erfolglosen Jahren geholfen, endlich seinen ersten Meterhecht zu fangen. Mit Wim Bosboom habe ich viele Hechte und Zander aus meinen Gewässern gelandet, im Gegenzug lud er mich zum Stippen auf Rotaugen und Brassen ein.

FISCH & FANG: Wie sind Eure Erfahrungen mit der Angelei im Fernsehen?

Jan Eggers: Jeder gut gemachte Beitrag zum Thema Angeln, den das Fernsehen sendet, ist Werbung in eigener Sache. Leider verstehen etliche Produzenten und Regisseure nicht viel davon, was Sportfischer sehen wollen. Bei uns bringt das Fernsehen im Frühling eine halbstündige Sendung unter dem Titel "Vis TV". Die wird immer besser und populärer und ich habe in vielen Sendungen kostenlos mitgearbeitet.

FISCH & FANG: Warum gibt es Deiner Meinung nach in Deutschland keine bundesweit und regelmäßig ausgestrahlte Sendung speziell für Angler?

Jan Eggers: Ich kenne die Situation in Deutschland zwar nicht ganz genau, wahrscheinlich hat die Misere aber mit fehlenden Geldern und Sponsoren zu tun. Hier sollten sich alle Beteiligten - Verbände, Groß- und Einzelhandel und Angelpresse - zusammenraufen und eine gemeinsame Initiative starten um die nötigen Mittel bereitzustellen.

FISCH & FANG: Wie siehst Du die Zukunft des Angelns - wird unsere Zunft eher mit mehr oder weniger Anhängern rechnen dürfen?

Jan Eggers: Ich glaube, es wird immer mehr aktive Jungangler geben, dafür spricht zumindest die Statistik in Holland. Ein weiteres Zeichen für die positive Entwicklung ist, daß auch die Werbung das Fischen zunehmend für ihre Zwecke entdeckt. Selbst Mitglieder von Tierschutzorganisationen, die uns ja nicht unbedingt wohlgesonnen sind, bestätigen, daß es auch ihre Kinder in der Freizeit verstärkt zum Angeln ans Wasser zieht. Wer die Jugend gewinnt, dem gehört eben die Zukunft!

FISCH & FANG: Du hast bei Dir an den nordholländischen Poldern viele Angler aus dem Ausland zu Gast. Nehmen wir mal die zahlreichen Deutschen und Italiener, inwiefern unterscheiden die sich vom ganz normalen holländischen Petrijünger?

Jan Eggers: Deutsche Sportfischer sind eher bequem, wollen am liebsten ansitzen und warten, bis der Hecht oder Zander anbeißt. Wir Holländer marschieren hingegen viele Kilometer pro Tag an den Poldergräben entlang und suchen die Hechte. Viele deutsche Angler vertrauen Kunstködern nur wenig und jammern darüber, es sei schade, daß der lebende Köderfisch verboten wurde. Die Italiener sind gute Spinnangler, sehr aktiv und mosern nicht, wenn sie einen Meterhecht zurücksetzen müssen. Das finden die deutschen Kollegen oft schade, da sie einen Traumfang gern präparieren lassen. Dabei ist ein gutes Fischfoto doch die schönste Erinnerung. In Holland wird es voraussichtlich in ein bis drei Jahren ein totales Entnahmeverbot für Hechte geben, bei den Zandern dürfte das Limit bei maximal zwei Fischen pro Tag liegen. Um noch einmal auf die Italiener zurückzukommen: Die jammern häufig über den starken Wind, der in Nordholland bläst. Dafür halten sie oft am Wasser eine gemütliche Mittagspause und haben Brot und Wein dabei...

FISCH & FANG: Wir bekommen oft Anfragen von unseren Lesern, besonders aus dem nahen Ruhrpott, warum wir ziemlich selten über holländische Binnengewässer berichten, denn die Gesetzgebung sei anglerfreundlicher und der Fischreichtum größer als hierzulande. Leider müssen wir dann die Antwort geben, daß sich die meisten holländischen Autoren dagegen sträuben, niederländische Flüsse oder Seen in deutschen Angelmagazinen vorzustellen, weil die Germanen als "Fleischmacher" verschrien sind und die Gewässer rücksichtslos leerfischen, ohne sich um das vielerorts übliche Prinzip "Fangen und Zurücksetzen" zu scheren. Wie ist Dein Eindruck, sind die deutschen Angler bei Euch wirklich so "beliebt" wie die deutsche Fußball-Nationalelf?

Jan Eggers: An der Beobachtung ist in der Tat viel Wahres dran. Schuld daran ist das deutsche Gesetz, dieses "Alles töten-Prinzip", daß sich mit dem holländischen Verständnis vom "Catch and Release" beißt. Ich kann viele, sehr viele Beispiele von Gewässern nennen, die von deutschen Petrijüngern buchstäblich kaputtgeangelt wurden. Als Gastangler sollte man sich bitteschön an die Gepflogenheiten eines Landes halten! Aber es gibt auch Hoffnung: In den letzten fünf bis zehn Jahren hat sich die Mentalität vieler deutscher Sportfischer zum Positiven gewandelt.

FISCH & FANG: Jan, Du hast in Deinem Anglerleben bereits an allen möglichen und unmöglichen Revieren Hunderte Hechte der magischen Ein-Meter-Marke auf die Schuppen gelegt. Welche Wünsche hast Du überhaupt noch an Petrus, speziell für dieses Jahr?

Jan Eggers: Ich habe nur einige, kleine Wünsche, die sich nicht nur an Petrus richten: Vor allem möchte ich gesund bleiben um noch lange aktiv angeln zu können. Dann schaffe ich es vielleicht, in ein bis zwei Jahren Meterhecht Nummer 1.000 zu landen, momentan sind es 930 der magischen 100-Zentimeter-Marke. Zudem reizt mich das Angeln in anderen Ländern. Ich habe noch Einladungen zum Hechtfischen in Kroatien, Bosnien und Ost-Rußland. Aber am liebsten probiere ich es immer noch an meinen westfriesischen Poldern, bis Petrus wohl eines Tages sagen wird: "Jan, es ist genug!"


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